Gerüchte um Aufhebung der Lieferschwellen in UK: die Auflösung!

Über einen befreundeten Händer sind wir letzte Woche auf diese recht unverständliche Mitteilung der britischen Steuerbehörden aufmerksam geworden:

http://www.hmrc.gov.uk/briefs/vat/brief3112.htm

Da deutsches steuer-chinesisch schon schlimm genug ist, ließ die Mitteilung aus UK auch vielfältige Interpretationsmöglichkeiten zu. Z.B. könnte die bisherige Lieferschwelle von jährlich 70.000 Pfund gefallen sein und jeder Händler muss sich ab sofort im UK steuerlich anmelden. Keine schönen Aussichten und eine sehr große Verunsicherung für viele Händler.

Daher haben wir in der Sache einen kompetenten Partner um Rat gefragt. dekodi (Deutscher Konverterdienst) bietet Lösungen für Onlinehändler an, um Transaktionsdaten in DATEV-gerechte Formate zu konvertieren (wir hatten hier berichtet).  Auch in Hinblick auf Lieferschwellen und bei der Vermittlung von Steuerkanzleien im internationalen Umfeld ist dekodi unser kompetentester Partner.

Also haben wir natürlich Herrn Kaumeier gefragt und heute eine Antwort bekommen. Dank gilt dabei Frau Steuerberaterin Salzeder von der Steuerkanzlei Salzeder, die folgendes in Erfahrung bringen konnte.

Die Lieferschwelle ist NICHT gefallen. Zumindest ist es der derzeitige Informationsstand, dass der Anwendungserlass mit 70.000,00 Pfund aktuell ist. Im Entwurf des neuen Anwendungserlasses zur Umsatzsteuer ist ebenfalls von 70.000,00 Pfund Lieferschwelle die Rede.

Puh… keine Änderung bei den Lieferschwellen! Glück gehabt. Aber was besagt das ominöse Dokument aus UK denn nun wirklich?

Was sich im UK auf 0,00 Pfund reduziert hat, war eine sogenannte „Kleinunternehmerregelung“. UK hatte eine Ausnahme, nach der ausländische Unternehmer sich nicht mit steuerbaren und steuerpflichtigen Umsätzen registrieren lassen mussten, wenn sie eine gewisse Grenze unterschritten. Um in UK steuerbare Umsätze zu haben, muss im Handel aber zuerst die Lieferschwelle überschritten werden.

Auf Grund des EUGH-Urteils Ingrid Schmelzer hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass es rechtens ist, wenn die einzelnen EU-Länder die Kleinunternehmerregelungen nur auf inländische Unternehmen anwenden. Daraufhin hat UK die Kleinunternehmerregelung für ausländische Unternehmen gestrichen. …..

Missverständnisse werden hauptsächlich von amazon aus gestreut. Dort wurde eine Information herausgegeben, dass die Lieferschwelle auf 0,00 Pfund gesunken ist. Amazon kann damit nur die UK-Kleinunternehmergrenze meinen, verwendet jedoch irrtümlich das Wort „Lieferschwelle“. Diese „Lieferschwelle“ ist nicht identisch mit der des § 3c UStG.”

Sollten Sie Kleinunternehmer sein, sollten Sie sich ggfs. beraten lassen. Für reguläre Unternehmen, die regulär umsatzsteuerpflichtig sind, hat sich nach unseren Informationen nichts geändert. Sie können beruhigt das Weihnachtsgeschäft abarbeiten.

Hintergrund: was sind Lieferschwellen?

Unter Lieferschwellen versteht mal ein umsatzsteuerrechtliches Prinzip innerhalb der EU. Bis zu einer gewissen Lieferschwelle gilt das Besteuerungsprinzip des Heimatlands des Verkäufers.

Beispiel: ein deutscher Unternehmer verkauft Turnschuhe an einen Käufer in Italien. Solange der Händler eine gewisse Umsatzgrenze nicht überschreitet, wird der Umsatz  ganz normal in Deutschland mit dem üblichen Steuersatz versteuert. Überschreitet der Händler aber eine gewisse jährliche Grenze (bei Italien sind das 35.000 Euro), so muss er diese Umsätze in Italien versteuern und sich dort auch steuerlich registrieren. Weitere Informationen >

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